Banking mit Meaning: Warum der persönliche »Purpose« auch im Asset und Wealth Management entscheidend ist

Finanzanlagen – ein spannendes Thema? Ausser ein paar hartgesottener Börsenjunkies, die mit ihrem Online-Depot regelmässig traden und dabei so etwas wie «thrill und fun» empfinden, dürfte die Mehrheit der Anleger diese Frage mit einem müden «Nein» beantworten.

Das Einzige, was interessiert, ist, was Ende des Jahres unter dem Strich – also nach Gebühren – herauskommt. Ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend – wobei die Massstäbe dabei für Privatanleger meist schwer zu fassen sind – kommt es zu Beschwerden. War das Ergebnis zufriedenstellend, passiert so ziemlich gar nichts.

Und dabei reden wir nur von den Kunden, die bereit sind zu investieren und ihr Vermögen entsprechend anzulegen. Eine aktuelle Studie von Oliver Wyman zeigt beispielsweise, dass Frauen aktuell ca. 40% des globalen Vermögens halten, aber nur rund 20% in Anlagen investieren. Daraus allein ergibt sich ein globales Ertragspotenzial in der Höhe von 25 Mrd. US-Dollar, so die Autoren der Studie.

Trotz vieler Bemühungen rund um Kundenorientierung und -fokus in den letzten Jahren, scheint das Interesse an Finanzanlagen bei den Kunden nicht zu steigen, obwohl sich Banken durch immer sophistiziertere Produkte und Beratung bemühen, ihnen massgeschneiderte Lösungen zu präsentieren. Woran könnte das fehlende Interesse demnach liegen?

Wie Michael Ferber bereits in seinem Artikel in der Neuen Züricher Zeitung 2019 berichtet, interessieren sich Millennials vor allem für Finanzanlagen, die nachhaltige Kriterien, wie Ethik, Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung, berücksichtigen. Das spiegelt sich aber nicht in den komplexen – und meist teuren – Lösungen der Banken wider, was viele vor allem jüngere Anleger vor eine Herausforderung stellt. Die Pandemie hat die Wahrnehmung der Eigenverantwortung und des persönlichen Impacts noch weiter gestärkt (Deloitte 2020 Survey), und dies dürfte sich in den nächsten Jahren auch auf die Finanzentscheide der Millennials und Generation Z auswirken. Doch wie wollen diese Kunden anlegen? Gemäss einer Studie des World Economic Forum aus dem Jahr 2017, sprachen sich schon damals 67% der befragten Millennials dafür aus, dass Anlageentscheide für sie ein Weg seien, um soziale, politische und grüne Werte auszudrücken, während dies nur 44 % der Generation X  und 36 % der Babyboomer waren.

Zeit für Veränderungen

Es ist Zeit für Veränderung. Diese Entwicklungen sind für mich ein klares Zeichen, dass Finanzdienstleister sich über die Anwendung von ESG Kriterien hinaus hin zu einem «Purpose Centric» Geschäftsmodell entwickeln müssen. Das gilt insbesondere auch für die Frage, wie der Anlageprozess und die Anlagen dem persönlichen «Purpose», den persönlichen Werten und dem sogenannten Sinn und Zweck des Lebens, repräsentieren. Denn, wenn wir unser Geld über blosse Performance hinaus für Dinge einsetzen, die uns wichtig sind, ist auch der Zugang zum Thema Anlegen und Vorsorgen ein ganz anderer.

Es mangelt sicher nicht an innovativen Ansätzen und Lösungen. Wer will, kann sich heute 24 Stunden am Tag mit seinen Finanzen beschäftigen. Apps und Tools helfen bei der Planung und Kontrolle. Aber nur wenige nutzen diese Möglichkeiten. Aber wir machen es nicht Warum? Für mich persönlich ist das eine Frage des «Meanings».

Die Entscheidung, welchem börsennotierten Unternehmen sie ihr Geld geben, ist für die meisten Menschen vermutlich nur bedingt von Interesse. Der Glaube, mit dem eigenen – kleinen – Investment sowieso nichts ausrichten zu können und zusätzlich noch Gefahr zu laufen, damit nur «überbezahlte Spitzenmanager» und im schlimmsten Fall die Ausbeutung von Menschen und Natur zu unterstützen, ist nach wie vor weit verbreitet.

 

Eine gute Nachricht
 

Und hier die gute Nachricht: Es gibt es genug Möglichkeiten, beides miteinander zu verbinden. Erst wenn der Banker versteht, was seinem Kunden und seiner Kundin wirklich wichtig ist, kann er auch Investments vorschlagen, mit denen wir uns wohlfühlen und unsere Ziele unterstützen. Und das Interesse an Anlagen steigt – und damit ändert sich auch der Fokus der Gespräche mit den Kunden: Weg von einer reinen Perfomance- und Kostendiskussion hin zu «Meaning» und «Impact» mit einer ganz anderen Qualität und entsprechend positiven Auswirkungen auf die Kundenbindung. 

Die Sustainable Finance Directive der EU sowie das sich gerade in Konsultation befindliche FINMA Rundschreiben 2016/1 und 2016/2 zur Offenlegung von Klimabezogenen Finanziellen sind Schritte in die richtige Richtung. Denn «Purpose» und «Meaning» fängt für viele bei einem nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen und der Umwelt an. Doch es geht darüber hinaus. Es gibt so viele Möglichkeiten, die persönlichen Werte und Interessen auch in die Anlageentscheide einfliessen zu lassen, ohne dabei die Grundpfeiler der Risiko-Fähigkeit und -Bereitschaft und die rein finanziellen Ziele ausser Acht zu lassen.

Möchten Sie dieses Thema weiter vertiefen, dann kontaktieren Sie mich gern jederzeit.