Das Huhn und das Ei bei Nachhaltigkeitsstrategien

Generieren ESG-Strategien Outperformance? Oder sind andere Faktoren wie Quality-Aspekte für die guten Ergebnisse dieser Anlagen in den letzten Jahren verantwortlich? Und was war zuerst, das Huhn oder das Ei?

Gemäss einer aktuellen Studie von Scientific Beta generieren ESG getriebene Anlagekonzepte keine Outperformance auf Basis der ESG Kriterien. Stattdessen sei die Outperformance auf die «Quality» Aspekte zurückzuführen, für die es keine komplexen ESG Assessments brache. Ausserdem zeigt die Studie auf, dass auch das Risiko durch die Berücksichtigung von ESG Kriterien nicht wesentlich reduziert wird.

Dass die gute Performance von ESG-basierten Anlagestilen auch andere Gründe haben kann, ist unbestritten. Die Frage, die sich mir stellt, ist die nach dem Huhn und dem Ei? Sind die Quality-Faktoren höher wegen des ESG-Fokus des Unternehmens oder umgekehrt?

Und natürlich kann man auch andere Faktoren zur Risiko-Adjustierung heranziehen. Aber ob man einen Waffenlieferanten jetzt aus ESG Überlegungen ausschliesst oder aus einer Macro-Einschätzung, beispielsweise dass in den nächsten Jahren weniger aufgerüstet wird (dies ist nur illustrativ gemeint und entspricht keiner Einschätzung der geopolitischen Lage); das Ergebnis ist dasselbe.

Wichtig ist, was für die Anleger verständlich und nachvollziehbar ist und mit welchen Anlagen sie nachts ruhig schlafen können. Und hier hätten ESG-Ansätze grosse Vorteile, wenn sie über die Werte und Bedürfnisse der Anleger argumentieren, was quantitative Analysen schwerlich leisten können. Leider nutzen Banken und Investment Advisor diese Erkenntnis noch zu wenig. Stattdessen wird auch hier auf potentiellem Alpha und komplexen Ansätzen zur Einschätzung von Nachhaltigkeitskriterien aufgebaut. Aber welcher Kunde sieht den Unterschied zwischen einer «Exclusion», einer «ESG Integration» oder einer «Responsible Investing» Strategie, wenn über Faktoren und Bewertungsmechanismen gesprochen wird, statt über den Mehrwert – und zwar nicht nur den finanziellen – dieser Strategien?

Dass die risiko-adjustierte Performance stimmen muss, ist auch im Bereich Nachhaltigkeit eine «conditio sine qua non». Und solange Investoren immer noch das Gefühl haben, für Nachhaltigkeit auf Performance verzichten zu müssen, ist es sicher gut, zu betonen, dass diese Strategien eine vergleichbare risikoadjustierte Outperformance generieren wie andere Strategien – aus welchem Grund auch immer. Darüber hinaus liegt der «echte» Mehrwert aber darin, dass unterschiedliche ESG Strategien in verschiedenen Abstufungen auf den individuellen «Purpose» oder Werte aufbauen und diese widerspiegeln können. Im Übrigen eine Schlussfolgerung, zu der in ähnlicher Form auch die Autoren der oben genannten Studie kommen. Und dass diese Ansätze dann auch noch mit einer hohen Qualität in den Basisfaktoren wie Bilanz und Eigenkapital der Unternehmen einhergehen, ist ja nur zu begrüssen.