ESG als Risiko-Management Ansatz

Während die Märkte aktuell Risiken kaum entlohnen, also Anleger gezwungen sind, für eine gleichbleibende Rendite höhere Risiken einzugehen, scheint sich bei den Anlegern das Blatt zu wenden. Wie kann man mit diesem Widerspruch umgehen?

Während die Märkte aktuell Risiken kaum entlohnen, also Anleger gezwungen sind, für eine gleichbleibende Rendite höhere Risiken einzugehen, scheint sich bei den Anlegern das Blatt zu wenden.

Mit Blick auf aktuelle Marktentwicklungen sind in den letzten Jahren Fragen rund um das Risiko eines Portfolios in den Hintergrund gerückt. Aufgrund der tiefen Renditen, bleibt fast keine andere Möglichkeit als durch erhöhtes Risiko – sprich höhere Aktienquoten – zu versuchen, wenigstens real kein Geld zu verlieren, häufig verbunden mit dem Wunsch, an dem allgemeinen Höhenflug der Aktienmärkte zu partizipieren. Sorgen um eine mögliche Baisse scheinen zumindest an den Märkten momentan nicht in Sicht.

Anders sieht es dagegen bei den Anlegern aus: gemäss des aktuellen Wealth Management Reports von Ernst & Young ist der Risikoappetit von Anlegern durch die Pandemie massiv gesunken.

Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, wie Portfolios gestaltet werden können, die zwar noch reale Rendite erwirtschaften, aber der geringeren Risikobereitschaft Rechnung tragen.

Zumal in Zeiten der Globalisierung die klassische - regionale - Diversifikation nicht mehr den erwünschen Risiko-Management Effekt hat, hat sich doch bei den letzten Krisen immer wieder gezeigt, dass die Korrelation der Märkte untereinander stark zugenommen hat.

Alternativ sollte man sich daher die Frage stellen, wie man Anlagen identifizieren kann, die mehr Resilienz gegenüber möglichen Einbrüchen aufweisen und zumindest das Potenzial haben, sich schneller wieder zu erholen?

Hier ist die Antwort recht einfach: Wenn wir aufhören, ESG als Rendite-Ansatz zu sehen, und es als das nutzen, was es ist: eine Möglichkeit Risiken im Portfolio zu managen, die sich in einer global vernetzten Welt durch reine Diversifikation nicht mehr eliminieren lassen. Denn auch wenn bei einem Crash erstmal alle Assets betroffen sein werden, so haben doch diejenigen mit einem nachhaltigen und soliden Geschäftsmodell deutlich bessere Chancen, sich schnell wieder zu erholen. Umgekehrt kann man durch den Einbezug von ESG in Form von Ausschlusskriterien auch Assets vermeiden, die Gefahr laufen zu sogenannten «Stranded Assets» zu werden, sprich deren Geschäftsmodell sich überholt hat und die über kurz oder lang keine Chance mehr im Markt haben. Zusätzlich können Stewardship Ansätze wie Proxy-Voting auch helfen, Geschäftsmodelle nachhaltiger und resillienter auszugestalten und so Risiken einzelner Unternehmen zu reduzieren, wie das vielzitierte Beispiel von Exxon Mobil eindrücklich gezeigt hat.

In Zeiten erhöhten Risikobewusstseins ist das ein starkes – und vor allem für Anleger auch einfach nachvollziehbares - Argument warum nachhaltiges Anlegen Sinn macht, und es kein «entweder-oder» gibt, zwischen den finanziellen Zielen, insbesondere dem Vermögenserhalt, und den persönlichen Bedürfnissen, wie einem Beitrag zu den Klimazielen.