Trend oder Gamechanger? Was kann ESG wirklich bewirken?

Vieles spricht dafür, dass Nachhaltigkeit – sei es in Form von ESG oder Impact – langfristig zum Mainstream in der Finanzbranche wird. In erster Linie im Bereich Investing, aber auch im Kreditbereich kommen Banken und Finanzdienstleister um das Thema nicht mehr herum.

Vieles spricht dafür, dass Nachhaltigkeit – sei es in Form von ESG oder Impact – langfristig zum Mainstream in der Finanzbranche wird. In erster Linie im Bereich Investing, aber auch im Kreditbereich kommen Banken und Finanzdienstleister um das Thema nicht mehr herum. Soweit nichts Neues.

Interessant ist aber die Frage, ob es sich dabei um einen «Trend» handelt, der in ein paar Jahren wieder abflaut oder ob sich in der Art, wie Anlage- und Kreditentscheidungen getroffen werden, langfristig und grundlegend etwas ändert. So wie Digitalisierung kein Trend ist, sondern die Geschäftsmodelle der Finanzdienstleister langsam, aber sicher transformiert, stellt sich auf die Frage, ob Anlageentscheide zukünftig unter Berücksichtigung von ESG Kriterien anders getroffen werden.

Wenn man den Medien glauben darf, ist das der Fall. Wenn wir aber einen Blick auf die aktuelle Angebotspallette der Banken und Investment Manger werfen, so sehen wir vor allem den Klimawandel, der adressiert wird. Die Berücksichtigung des CO2 Ausstosses von Unternehmen und ihrer Klimabilanz alleine – so wichtig das Thema auch ist und aktuell im Fokus steht – löst aber noch keine Transformation im Anlageprozess aus. Das Potenzial dazu hat vielmehr der über die letzten Generationen gestiegende Wohlstand, der es uns erlaubt, unsere Bedürfnisse auf die nächste Ebene zu heben und «purpose-driven» zu agieren.

Dazu werden aber andere, weitreichendere Ansätze, benötigt, die die Frage nach der Nachhaltigkeit eines Geschäftsmodells kritisch prüfen. Diese Ansätze finden sich nicht im «ecological» part – sprich dem «E» des ESG Ansatzes. Hier muss das Augenmerk viel mehr auf das «G» sprich die Governance eines Unternehmen gelegt werden. Aber auch das allein dürfte nicht ausreichen, damit wir über einen Trend hinaus zu grundlegenden Veränderungen an den Finanzmärkten kommen. Um unser Wirtschaftswachstum nachhaltiger zu gestalten, muss sich der Finanzmarkt langfristiger orientieren als von Quartalsergebnis zu Quartalsergebnis.

Denn solange quartalsweises Denken noch die Regel ist und Nachhaltigkeit auf Klimaziele reduziert wird, dürfte die grundlegende Transformation hin zu einem nachhaltigeren Wachstumskurs der Wirtschaft nicht durch die Finanzmärkte gestützt werden. Leider sehen wir nach wie vor bei vielen der grossen Asset Manager immer noch eher ein Lippenbekenntnis als echte langfristige Ausrichtung. Verständlich, wenn deren Anleger wiederum ihre Portfolio-Performance in Quartalen – oder bestenfalls einem Jahr - messen. Erst wenn wir aufhören, uns an kurzfristigen Kursgewinnen zu orientieren – und damit auch den «thrill und fun Teil» des Anlagegeschäfts wieder zurück in an die Casinostische bringen statt an die Börse – und dafür Firmen mit Investitionen, sowohl auf der Kreditseite als auch auf der Eigenkapitalseite, belohnen, die durch Verantwortung gegenüber allen Stakeholdern und einer soliden Governance punkten, haben wir eine Chance für eine echte Transformation, die über die aktuelle Klimadiskussion hinaus geht und auch langfristig Mehrwert für Anleger schafft. Denn vergessen wir nicht, die meisten Anleger suchen nach wie vor Sicherheit und Werterhalt und auch wenn diese Faktoren in der aktuellen ESG Diskussion nicht im Vordergrund stehen, so sind sie doch das wesentliche Ergebnis einer soliden Anwendung.